Plädoyer für einen radikalen Perspektivenwechsel
Unser westliches Zivilisationsmodell, das sich beinahe über die ganze Welt verbreitet hat, steckt in einer tiefen Krise. Das hat auch mit unserem falschen Bild von Natur zu tun: Wir nehmen in der Regel nur ihre wissenschaftlich beschreibbare »Außenseite« wahr und ignorieren beziehungsweise objektivieren ihre »Innenseite«. Doch ist es gerade diese Seite der Welt, die der Natur ihren Wert verleiht, da sie für Subjektivität, Freiheit, Gefühl, Kreativität und Kommunikation steht.
Die zerstörerischen Folgen dieser defizienten Weltanschauung sind in den letzten Jahrzehnten immer offensichtlicher geworden. So habe ich in diesem Buch versucht, eine neue Perspektive auf die Natur zu entwickeln und plädiere für eine umfassende Transformation unseres derzeitigen Lebensmodells. Das betrifft vor allem den ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich.
Doch eine tiefgreifende und dauerhafte ökonomische und sozial-ökologische Transformation erfordert auch und vor allem einen tiefgreifenden Wandel unseres Bewusstseins. Deshalb habe ich mich in diesem Buch neben umweltethischen und naturphilosophischen Fragen auch mit den spirituellen Dimensionen des Menschseins beschäftigt. Am Ende müssen alle Bereiche, wie Ontologie, Erkenntnistheorie, Ethik, Ökonomie, Ökologie, Politik, Kunst und Soziales neu gedacht und miteinander verbunden werden.
Das Ziel kann nur sein, die technokapitalistische (Un)Kultur zu überwinden, die auf der Zerstörung der Natur, auf Ausbeutung, Unterdrückung und Konkurrenz basiert. Stattdessen sollten wir eine Kultur der Zusammenarbeit, Wertschätzung und Empathie fördern. Vor allem aber gilt es, zu den Quellen unseres Menschseins zurückzukehren. Diese Quellen liegen in unserer tiefen Verbundenheit mit der Natur, unseren Mitmenschen und nicht zuletzt dem Göttlichen als Urgrund allen Seins. Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind gewaltig. Ihre Lösung wird darüber entscheiden, ob unsere Spezies die Bezeichnung Homo sapiens wirklich verdient oder ob wir uns als Homo demens aus der Geschichte verabschieden.
oekom verlag 2023, 320 Seiten, ISBN: 978-3-98726-038-4
STIMMEN ZUM BUCH
[Die Würde der Natur] bietet eine tiefgehende Reflexion über die notwendigen Veränderungen in unserer Denkweise und Gesellschaft, um eine nachhaltige und positive Zukunft zu gestalten.
(Andre Berreßem, bibliomaniacs.de)
Fast jeder Satz, den man beim Durchblättern anreißt zieht den Leser in den Text und verspricht interessantes Wissen… [Dieses Buch] wird einen lange ernähren und mit sehr vielen guten Nährstoffen beim Nachdenken über den Umgang mit unserer Umwelt, der Natur und den Tieren versorgen.
(wildes-bayern.de)
Rezension von Angelika Prauß in »Evangelische Zeitung«
Eckart Löhrs Buch ist anspruchsvoll. Seine Kritik am Szientismus (extreme Wissenschaftsgläubigkeit) beruft sich auf die Ergebnisse physikalischer, biologischer, neurobiologischer und astrophysikalischer Forschungen. Er dekonstruiert nach Kräften den Glauben an eine naturwissenschaftliche Erklärbarkeit oder Beschreibung dessen »was der Fall ist«. Doch wenn wir die Welt nicht erklären können, wie können wir dann das Recht herausnehmen, sie zu zerstören? Löhrs Plädoyer für die Wiederentdeckung des »Heiligen« ist durchaus überzeugend, sofern man bereit ist, sich auf die Innenseite der Welt einzulassen.
(Christine Ax, rechte-der-natur.de)
